< Zurück zur Auflistung Kultur, 26.02.2015

Litprom-Bestenliste (Auszüge)

2. Ayelet Gundar-Goshen. Löwen wecken [Israel] 

Roman. Aus dem Hebräischen von Ruth Achlama. Kein & Aber, 432 Seiten

Ein israelischer Neurochirurg überfährt einen illegal eingewanderten Eritreer. Und begeht Fahrerflucht. Die Autorin entwickelt mit großer Ruhe einen rasanten Plot. Ein Arzt, eingeklemmt zwischen zwei Welten und zwei starken Frauen. Dazu ein furioses Finale mit drei (halb-)starken Beduinen. Tiefgründig und überraschend. (Andreas Fanizadeh)

 

 

3. Andrew Brown. Trost [Südafrika]

Roman. Aus dem Englischen von Mechthild Barth. btb Verlag, 352 Seiten

In Kapstadt wird die Stimmung zwischen jüdischen und muslimischen Bevölkerungsteilen ungemütlich, als in einer Synagoge die geschändete Leiche eines anscheinend muslimischen Kindes gefunden wird. Globale Konflikte in Südafrika oder Interessenpolitik? Andrew Browns Thriller reflektiert klug die aktuelle Situation eines demokratischen Staates, der zu einem byzantinischen Geflecht aus Korruption und

Organisiertem Verbrechen zu werden droht. Präzise, kühl und doch empathisch. (Thomas Wörtche)

 

 

4. Antjie Krog. Körper, beraubt [Südafrika]     

Lyrik. Aus dem Englischen und Afrikaans von Barbara Jung. Matthes & Seitz, 202 Seiten

Die südafrikanische Lyrik-Ikone Antjie Krog beglückt hier mit so persönlichen wie politischen Gedichten des Aufbegehrens: gegen das eigene Altern, gegen alten Rassismus, gegen neuen ethnischen Wahn in ihrer Heimat. Ihre Sprache: messerscharf und doch poetisch. Ihre Haltung: Empathie und Hoffnung trotz kühlem Sachverstand. Ihr Motto: „untergrunds ist platz für alle“. Ein Trostbuch in Zeiten wie diesen. (Claudia Kramatschek)

 

 

6. Marguerite Abouet (Text) / Clément Oubrerie (Illustration).

Aya: Leben in Yop City [Elfenbeinküste]*                                                                

Comic. Aus dem Französischen von Ulrich Pröfrock. Reprodukt, 376 Seiten 

Knallbunt und lebensfroh: Das sind die Aya-Comics, die nun in einem zweiten dicken Sammelband vorliegen. Aya studiert inzwischen an der Uni in Abidjan, ihre Freundin Bintou macht eine Beratungsstelle „in Sachen Jungs“ auf, und Innocent wandert nach Frankreich aus. Ein Band voll Cornrow-Frisuren und großgemusterter Kleider, schnell geschnitten wie eine Fernsehserie. Kurzweilig, witzig und turbulent. (Katharina Borchardt)

 

 

7. Alain Mabanckou. Morgen werde ich zwanzig [Kongo/Frankreich/USA]

Roman. Aus dem Französischen von Holger Fock und Sabine Müller. Liebeskind, 368 Seiten

Gesättigt durch eigene Erfahrungen erzählt Mabanckou von einem 10-jährigen Michel, der durch die Straßen von Pointe-Noire zieht. Aus der naiven Sicht des Jungen wird die Umwelt der Republik Kongo und die politische Weltgeschichte der 1970er Jahre auf den Kopf gestellt. Mit afrikanischem Zungenschlag. Witzig, schräg und reich an Schwänken. (Ruthard Stäblein)

 

 

Die Jury: Ilija Trojanow (Vorsitz), Katharina Borchardt, Anita Djafari, Andreas Fanizadeh,

Claudia Kramatschek, Ruthard Stäblein,Thomas Wörtche und Cornelia Zetzsche

 

 

Eine Initiative von Litprom – Gesellschaft zur Förderung der Literatur aus Afrika, Asien und Lateinamerika e.V.

*Die Übersetzung des Titels auf Platz 6 wurde unterstützt durch Litprom mit Mitteln des Auswärtigen Amtes.

 

www.litprom.de