Dokumentationen und Kino aus Afrika präsentiert das Vorprogramm des Afro-Ruhr-Festivals 2011

27. Juni 2011 | Auslandsinstitut NRW:

Dokumentation “Schmutzige Schokolade” von Miki Mistrati

Die meisten Menschen lieben Schokolade, und die Hälfte aller Schokolade weltweit essen Europäer. 1,5 Millionen Tonnen im Jahr – das sind 15 Milliarden Tafeln. Jeder Deutsche isst im Durchschnitt etwa elf Kilo im Jahr. Jedoch ist Schokolade-Essen nicht so harmlos wie wir glauben – vor allem nicht für Kinder in Afrika. Hilfsorganisationen verdächtigen die Schokoladen-Industrie, von Kinderhandel und Kinderarbeit in Afrika zu profitieren und damit Straftaten zu verschleiern.

Filmmacher Miki Mistrati

Filmmacher Miki Mistrati

Der investigative Journalist und Filmemacher Miki Mistrati ist diesem Verdacht nachgegangen, er ist mit seinem Kameramann nach Westafrika gereist, nach Mali und von dort weiter an die Elfenbeinküste, dem weltgrößten Produzenten von Kakao-Bohnen. Eine gefährliche Reise, erst vor wenigen Jahren wurde dort der Filmmacher Miki Mistrati ein Journalist bei einer ähnlichen Recherche entführt und ist bis heute verschwunden. Miki Mistrati drehte daher oft mit versteckter Kamera. Er führte aber auch offen Interviews mit Menschen, die wissen müssten, was vorgeht, zum Beispiel mit dem größten Kakao-Exporteur der Elfenbein-Küste. Seine Dokumentation zeigt, dass die Schokoladen-Industrie Kinderhandel und Kinderarbeit zumindest duldet. Denn sonst müssten die Hersteller mehr unternehmen, mehr Plantagen kontrollieren und wirklich nur von denen kaufen, auf denen es garantiert keine Kinderarbeit gibt. Vielleicht hilft diese eindrucksvolle und auch erschütternde Dokumentation dabei, die Ausbeutung von Kindern auf den Kakao-Plantagen zu beenden.

Text & Fotos: ARD und Miki Mistrati
Film von Miki Mistrati, Vorführung und anschließende Diskussion am 27.06.2011 im Auslandsinstitut, Dortmund


29. Juni 2011 | RWE Forum | Kino im U:

“No Time to Die” – Die Eine Komödie um Liebe und Tod

No Time to Die
“No Time to Die

Asante fährt ein glänzendes, schwarzes Auto, mit dem er berufsmäßig Leichen transportiert. Er und sein Assistent Issifu bringen die Toten von der ghanaischen Hauptstadt Accra in ihre Dörfer, wo die

Beerdigungszeremonien stattfinden. Asante liebt seinen Beruf. Doch er hat ein Problem. Welche Frau will schon mit einem Leichenwagenfahrer zusammen sein? Bis Esi in Asantes Leben tritt. Esi ist eine junge Tänzerin, die ihre tote Mutter in deren Heimatdorf bringen will. Für Asante ist es Liebe auf den ersten Blick. Und mit Hilfe Issifus gelingt es ihm sogar, das Herz des schönen Mädch

ens zu gewinnen. Doch Esis Vater will nicht von der Liaison seiner Tochter mit dem jungen Mann wissen. Nur über seine Leiche, so sagt er, kommt eine Hochzeit in Frage.

Asante gibt nicht auf. Wild entschlossen, Esi zu heiraten, schreckt er auch nicht davor zurück, ein paar übernatürliche Tricks anzuwenden… Mit seinem neuen Film NO TIME TO DIE gelingt es Regisseur King Ampaw, Afrika ebenso

humorvoll wie hintergründig aus einem ganz neuen Blickwinkel zu zeigen. Beim Festival von Tarifa 2007 wurde Hauptdarsteller David Ontoh mit dem Preis als bester Schauspieler ausgezeichnet. “Das europäische Bild von Afrika besteht fast nur aus Armut, Korruption, Aids und Krieg. Das ist das, was man im Fernsehen zu sehen bekommt. Aber es gibt auch ein normales Leben, es gibt Kultur, Tradition und Unterhaltung. Afrikanische Filmemacher können auch Menschen zum Lachen bringen. Das versuche ich mit meinen Komödien zu zeigen.“ (King Ampaw)

NO TIME TO DIE stellt – ganz nebenbei – die Begräbniskultur des Volks der Ga aus Ghana vor. Für die Beerdigung eines Angehörigen verschulden sich die Familien in Ghana wie anderswo auf der Welt anläßlich von Hochzeiten. Damit aber die verstreuten Familienangehörigen selbst aus dem Ausland zum großen Beerdigungsfest anreisen können, muß der Tote zeitweise wochenlang auf Eis gelegt werden. Zudem bestattet man die Toten gern in bunten Fantasie-Särgen, die an Berufe und Vorlieben der Verstorbenen zu deren Lebzeiten erinnern. Je nach Auftrag fertigen Kunsttischler Särge an, die aussehen wie überdimensionale Turnschuhe (für Sportler), Zwiebeln (für Marktfrauen), Mehlsäcke (für Bäcker, schnittige Autos oder – so im Film – wie ein Flugzeug, weil

die verstorbene Mutter davon geträumt hatte, einmal zu fliegen. Eine Ausstellung mit Original-Exponaten war 2008 in Köln unter dem Titel „Mein Sarg ist ein Turnschuh – Verrückte Särge aus Ghana“ zu sehen.

Film von King Boama Darko Ampaw – Ghana / BRD – 2007, Vorführung im Kino im Dortmunder U am 29.06.2011

29. Juni 2011 | RWE Forum | Kino im U:

Bintou

Bintou

“Bintou” Kurzspielfilm von Fanta Régina Nacro

Eine stimmungsvolle Komödie: Bintou lebt mit ihrem Mann Abel und ihren Kindern in der Stadt Ouagadougou. AlsBintou sich entschließt, ihre Tochter Biba zur Schule zu schicken, ist ihr Mann nicht bereit, für die Ausbildung eines Mädchens zu bezahlen. Er überlässt es Bintou, Geld für die Schulbildung zu verdienen. Doch da hat er sich in Bintou getäuscht. Sie kauft Hirse auf Kredit, mälzt sie und findet viele Abnehmerinnen. Seine Freunde und seine Mutter reden Abel daraufhin ein, seine Stellung als Mann sei durch eine geschäftstüchtige Frau gefährdet, er mache sich lächerlich. Wütend zerstört er in einem unbeobachteten Moment die angesetzte Hirse. Doch Bintou lässt sich nicht entmutigen.

Kurzspielfilm von Fanta Régina Nacro – EZEF – Burkina Faso – 2001, Vorführung im Kino im Dortmunder U am 29.06.2011

Dortmunder U – Zentrum für Kunst und Kreativität

Dortmunder U – Zentrum für Kunst und Kreativität